Samstag, 28. April 2012

Like a second home...

Während der fast drei Wochen auf Big Island sind wir etwas mehr als 1'000 Miles gefahren. Das sind umgerechnet rund 1'500 Kilometer. Diese Zahl hat uns selber überrascht, da wir nicht das Gefühl hatten, viel Zeit mit Autofahren verbracht zu haben. Diese Zahl bedeutet auch, dass wir insgesamt mehr als 28 Stunden in unserem VW-Bus sassen... Obwohl wir hier auf einer "kleinen Insel" sind - zumindest im Vergleich mit dem amerikanischen Mainland - ist und bleibt Big Island Amerika und alles dreht sich um das Auto. Der car, truck oder pick-up ist wie ein zweites Haus. Die Amerikaner leben im Auto und das Leben wurde um das Auto herum gebaut.
Dies hat sicher damit zu tun, dass die schiere Grösse und Weitläufigkeit hier auch die motiviertesten Läufer entmutigen. In Puna z.B. sind die "kleinsten" zum Verkauf stehenden Grundstücke 1 Acre gross (4'047 m2). Das heisst, wenn der Nachbar eine Party mit Lautsprecher im Garten schmeisst, ist der Lärm kaum zu hören. Die Subdivision (so nennt man hier ein Quartier) Ocean View im Süden der Insel hat 150 Kilometer Hauptstrasse zählt aber kaum mehr als 4'000 Einwohner und die grösste Ranch auf Big Island umfasst 150'000 Acres (etwa die Fläche des Kantons Glarus). Unter diesem Gesichtspunkt macht die ganze amerikanische Drive-In-Kultur plötzlich viel mehr Sinn und die kuriosesten Dinge werden logisch - wie die Drive-Thru Apotheke! 
Für mich als Schweizer Apotheker kaum zu glauben aber wahr. 


Man sieht auch viele Hawaiianer, die mit dem Auto unterwegs sind und abends einfach ein Zelt aus dem Kofferraum nehmen, um auf einem Camping zu übernachten. Auch eine spontane After-Work Party auf der Ladefläche eines Pick-Ups ist keine Seltenheit. Daher erstaunte es auch nicht, dass das Motto "the bigger, the better" hiesst und die Autos eher wie Lastwagen oder  Panzer aussehen. Denn, wer möchte schon in einer kleinen Wohnung leben?

Schock der Kulturen: das deutsches "all-in-one" Wohnmobil und
 ein amerikanisches Modell ohne Küche und Bett.

Freitag, 27. April 2012

Das Tal der Könige

Heute ist unser letzter Tag auf Big Island. Wir haben Wiki Wiki Kai zurück gebracht und vertreiben uns die letzten Stunden mit lustigen Dingen wie Wäsche waschen oder Blogeinträge schreiben.

Dernière petite excale sur l'île de Big Island et derniers petits plaisirs pour les jambes. La vallée de Waipio se trouve en effet tout au nord de l'île et pour y parvenir une route avec 25% de déclivité, rien pour notre bus VW. Le spectacle en vaut l'effort. L'endroit était la résidence du haut chef de Hawaii, lieu toujours considéré comme sacré de nos jours. 

Leider gab es in den letzten paar Tagen praktisch kein Swell hier auf Hawai'i, daher haben wir unsere gemieteten Surfbretter zurückgebracht und entschieden, wir machen nochmals eine Wanderung, diesmal im Waipio Valley. Das Waipio Valley ist der heiligste Ort auf dieser Insel, da es die Residenz der Grosskönige (High Chiefs) von Hawai'i war. Wenn man dann erst einmal unten am schwarzen Strand steht, kann man sich lebhaft vorstellen, wieso die Könige diesen Ort gewählt hatten, denn er ist atemberaubend schön.


Der Strand ist von beiden Seiten von steilen Klippen abgegrenzt und der Trail führte uns zunächst in einem steilen Zig-Zag Weg hinauf auf die entgegen gelegene Klippe. Der Weg glich fast eher einer Treppe als einem Weg aber einmal oben, wurde man mit einem unglaublichen Blick auf das Waipio Vally und den Wasserfall belohnt. Je weiter wir hinaufstiegen, desto mehr veränderte sich auch die Vegetation und die tropischen Urwaldpflanzen wichen Tannen (oder zumindest Nadelbäumen). Der Weg führte dann in Schlangenlinie durch unzählige kleine Talsohlen, nur um dann gleich wieder zur nächsten Klippe aufzusteigen. Dabei entdeckten wir immer wieder wunderschöne Orte mit magisch anmutenden Wasserfällen, versteckt in der tiefen Grün des Waldes.


Einmal mehr hat uns Big Island mit seiner Vielfältigkeit überrascht und heute Morgen - fast als wollte es sicherstellen, dass wir wiederkommen - schenkte es uns nochmals einen wunderschönen Sonnenaufgang, der die Brandung an den Lavafelsen in ein zauberhaftes Licht tunkte.
Mahalo nui loa Hawai'i!

La dernière nuit de camping sur l'île nous a une nouvelle fois offert un spectacle magnifique au petit matin. Nous quittons aujourd'hui Big Island pour rejoindre un autre paradis, Kaua'i, une île située plus au nord et bien plus ancienne que Big Island, donc avec plus de sable et un peu moins de cailloux. 


Mit diesen Bildern im Kopf machen wir uns auf, nach der Jüngsten nun auch die Älteste der hawaianischen Inseln zu erkunden; Kaua'i.

Montag, 23. April 2012

Party in Puna

Der Distrikt Puna wird in Hawaii etwas stiefmütterlich behandelt. Dort leben die Aussteiger, Alt-und Neu-Hippies, spirituell angehauchten Körnlipicker und man hatte uns in Kona gewarnt, dass dies der "gefährliche" Teil der Insel sei...
Einmal mehr hat sich unsere grundsätzliche Reiseweisheit "Glaube nicht ohne gesehen zu haben" bewahrheitet, denn Puna ist grossartig! Ich gehe sogar soweit zu sagen, dank Puna habe ich mich nun so richtig in Hawaii verliebt. Puna ist wohl auch noch der naturbelassenste Distrikt Hawaiis mit grossen Flächen tiefgrünem, undurchdringlichem Regenwald und einer wilden von Lavasteinklippen geprägten Küste. Es ist auch in Puna, wo das neuste Land der Erde geboren wird, wenn die Lava ins Meer fliesst.

Après 2 jours passés sur les volcans, nous sommes redescendus vers les plages et plus exactement dans le département de Puna. L'eau chaude des sources s'y mélangent à l'eau plus froide de l'océan et les coulées de lave fraiches continuent d'agrandir l'île. Cette région est aussi "vendue" comme moins sûre, voire quelque peu dangereuse... C'est avec un peu de naiveté que l'on fait de grandes choses et à notre grande surprise, les quelques jours passés à la plage de Isaac Hale furent magnifiques!  

Dieser Lavafluss hat in den 90ern ein ganzes Dorf unter sich begraben.

Diese ganz spezielle Energie ist es dann wohl auch, der den kunterbunten Strauss von Menschen anzieht. Der Hauptort Pahoa ist tatsächlich eine "Hippietown" und man sieht überdurchschnittlich viel Rastas und Batik. Aber was Puna wirklich auszeichnet, ist die unglaubliche Offenheit und Herzlichkeit der Menschen. Beim Surfen lernt man zwar sehr schnell Leute kennen, aber als wir an unserem zweiten Tag in Pohiki, einem tollen Surfspot ca. 10min von Pahoa entfernt, gleich zu einer Hauseinweihungs-Party eingeladen wurden, wussten wir zunächst nicht recht, wie wir reagieren sollten (der Schweizer in uns ist manchmal doch sehr präsent). Wir entschieden jedoch; "Why not?" und gingen hin. Das war eine der besten Entscheidungen, die wir auf dieser Reise bisher getroffen hatten, denn die Party war der Hit. Wir wurden der ganzen Pohiki-Surf-Family vorgestellt und spätestens nach der zweiten Runde Bier und "natürliche Zigaretten" wurden wir offiziell adoptiert :).

Hanging Loose with the Boys

Die Pohiki-Surf-Family


Nous avons pu faire la connaissance de la communauté des surfeurs ainsi que de celle des nombreux hippies qui habitent les alentours. Invités spontanément à une pendaison de crémaillère, les deux Suisses se sont sentis, histoire d'une soirée, presque hawaiiens. Les choses ont bien changé ces dernières années, le gens d'ici le disent d'ailleurs aussi. 

Die Gastgeberin Emi hat uns dann auch bei ihr im Garten campen lassen und am nächsten Morgen - während die Jungs noch im Lala-Land hängten - nahmen mich die Ladies mit, für eine Wahine Surf Session. Das war absolut der Hammer; schöne Wellen, Sonnenschein, drei tolle Frauen und die kleine Schweizerin. Besser geht's nicht (sorry, Yves)!

Unsere unglaublich grosszügige Gastgeberin Emi

Samstag, 21. April 2012

Nouvelles d'ici et d'ailleurs

Non, je n'oublie pas la Romandie, et d'autant moins les vaudois! Du reste la famille Platel s'est agrandie, oupie!!
Bienvenue-Welcome-Bienvenido-Willkommen-Aloha Attila!

Je vais essayer dès à présent de faire quelques commentaires en français. Pour les news du Mexique, faudra attendre mon retour en Suisse. Avec une bonne saucisse aux choux nous aurons un moment pour parler de la cuisine mexicaine, extraordinaire, et l'occasion j'en suis sûr, de parler de la culture et du pays en général.  

Nicole apprend à faire les tortillas, une de raisons de vivre des Mexicains!

Nous sommes en ce moment sur l'île de Big Island, la plus grande des îles de l'archipel de Hawaii. En route avec notre camping car (WV Westfalia=lit, cuisine, salon...) nous découvrons les régions désertiques et volcaniques ainsi que les régions tropicales humides: l'île possède, à l'exception d'une seule, toutes les zone climatique rencontrées sur la planète. En une heure de conduite, les arbres et les palmiers font place aux cailloux et au sable. Incroyable. Les vagues sont abordables, pas trop agressives. Les rochers par contre, puisque l'île est volcanique, sont des moins accueillants!

Excursion sur le plus grand volcan de l'île,
histoire de se rappeler des marches dans les Alpes!

Freitag, 20. April 2012

Moonwalk

Zwei Tage haben wir im Volcanoes National Park verbracht, sozusagen in der Wiege von Hawaii. Volcanoes ist wirklich ein Paradies für Wanderer und obwohl wir nicht unbedingt die Hardcore-Wanderer sind, haben wir uns von der Atmosphäre inspirieren und wohl auch etwas übermotivieren lassen. Das hat dazu geführt, dass wir zwei Tage nacheinander jeweils eine 8-Stunden Wanderung gemacht haben (und meine Beine beschweren sich noch jetzt darüber).

Am ersten Tag führte uns die Wanderung in eines der eher aktiven Gebiete des Parks, wo die Erde noch lebt und auch immer mal eine Dampfwolke aus dem Inneren aufsteigt. Es ist wirklich ein spezielles Gefühl auf der Lava zu spazieren und neben etwas weiter vorne Rauch - also eigentlich Wasserdampf - aus dem Boden aufsteigen zu sehen. Unsere Mittagsrast haben wir am Rande eines Kraters zugebracht und plötzlich sahen wir keinen Meter von uns Rauch aufsteigen. Wir näherten uns und hielten die Hand an den Ort wo der Dampf herauskam und da war er - Peles' Atem, warm auf unserer Haut. Es gibt einige Momente im Leben, wo man die schöpferische Kraft unserer Mutter Erde wirklich spürt und das war genau so ein magischer Moment.

Der Krater raucht wirklich!

Am zweiten Tag machten wir uns auf den grössten Vulkan der Erde - zumindest teilweise - zu erklimmen. Der Mauna Loa ist über 4000m hoch und unser Ziel war die Red Hill Cabin auf über 3000m Höhe. Eine 12,5 km lange Aufwärtswanderung und das gleiche dann wieder bergab war unser Tagesprogramm.

Im Hintergrund das ganze Ausmass des Mauna Loa.

Ich kann nur sagen, manchmal ist es gut, gewisse Dinge mit einer unbedarften Naivität anzugehen, denn sonst würde man sie schlicht und einfach nicht machen. Die Wanderung führte uns während 7,5 Stunden durch eine Lava-Wüste soweit das Auge reicht. Das schiere Ausmass der Lavafelder war unglaublich! Links, rechts, oben, unten - Steine soweit das Auge reicht und ein Moment, in dem man sich unglaublich klein vorkommt. Umso mehr war es ein erhabenes Gefühl, als wir nach fast 4 Stunden Aufstieg an der Red Hill Cabin ankamen (die übrigens wirklich an einem knallroten Berg liegt). Die Aussicht war einfach phänomenal und die schmerzenden Beine bereits vergessen.


Nach dem 3,5-stündigen Abstieg hatten sich die schmerzenden Beine wieder in Erinnerung gebracht und die Nacht, die wir uns gestern in einem kuschligen B&B inklusive warmer Dusche leisteten, war mindestens genau so phänomenal wie die Aussicht vom Mauna Loa :).

Donnerstag, 19. April 2012

Grüner Sand und schwarzer Sand

Wir sind wieder zurück in der Zivilisation - zumindest einigermassen - und natürlich haben wir in der Zwischenzeit wieder unheimlich viel erlebt.

Zunächst möchten wir Euch unseren treuen Reisebegleiter für die etwas mehr als zwei Wochen auf Big Island vorstellen; Wiki Wiki Kai (was soviel heisst, wie "Schnell, schnell zum Meer"), unser treuer 1987 VW Westfalia mit Pop-Up Dach.


Unser Haus auf vier Rädern hat uns nun auch zum südlichsten Punkt der USA getragen. South Point ist ein wirklich spezieller Ort. Windgepeitschte Klippen aus schwarzem Vulkangestein, ein tiefblauer Ozean und die ganze Kraft des Meeres in der weissen Gischt der Brandung. Die Farben sind so intensiv, dass es schwer ist, sie in Worte zu fassen und noch viel schwerer, sie in einem Foto festzuhalten. Hier sind unsere  Versuche...



In der Nähe von South Point gibt es zudem einen Strand mit grünem Sand (Green Sands Beach). Dieses Naturwunder ist von South Point aus zu Fuss zu erreichen. Der Hinweg dauerte rund 90 Minuten, der gleiche Weg zurück jedoch nur knapp eine Stunde, womit wir die Kraft des Windes buchstäblich am eigenen Leib erfahre haben.


Auf Hawaii gibt es aber nicht nur grüne Strände sondern auch tiefschwarze Strände und genau so einer ist Black Sands Beach (und ja, die Hawaiianer gewinnen keinen Kreativitätspreis für die Benennung ihrer Strände). Das spezielle am Black Sands Beach ist, dass die Honus hierher kommen, um sich im warmen schwarzen Strand auszuruhen. Sie liegen dort wirklich im Duzend an diesem Strand herum und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen.


Was für ein traumhaftes Bild am Ende dieses traumhaften Tags.

Sonntag, 15. April 2012

One BIG Island

Der Vorteil vom Campen in Hawaii'i ist, dass man an Orten mit unbezahlbarer Aussicht übernachten kann. Der andere Vorteil - oder Nachteil vor allem für diesen Blog - ist, dass man wirklich von der elektronischen Welt abgeschnitten ist. Dass die Blogeinträge zurzeit etwas spärlicher daher kommen, hat somit nichts mit mangelnden Geschichten sondern vielmehr mit mangelndem Internetzugang zu tun.

Eine kleine Zusammenfassung unserer ersten halben Woche auf Big Island liest sich - und dies ohne den Neid der Zuhausegebliebenen weiter anstacheln zu wollen - wie eine Geschichte aus dem Paradies:

Tag 1: Morning Swim in der Spencer Bay und nach ca. 3 Minuten wurden wir schon von den Meeresschildkröten (Honu auf hawaiianisch) begleitet. Diese wunderbaren Kreaturen und Glücksbringer, wie die Hawaiianer glauben, findet man überall um die Insel und es ist jedesmal ein wunderschönes Erlebnis, wenn man ihnen begegnet.
Am Abend campten wir in der Ho'okeena Bay und machten unsere ersten hawaiianischen Bekanntschaften. Wir verbrachten den Abend mit Napua und Lisa (welche aus Alaska kommt). Napua kann alles Mögliche aus Palmblättern flechten; Schüsseln, Tiere, Blumen und... Hüte, wie man an dem Prachtexemplar sehen kann, das er Yves geschenkt hat :).

Yves mit einem Original Napua-Hut

Tag 2: Wir machen uns auf zu unserer ersten Surfsession am Pinetree Beach. Die Wellen sind wunderbar aber man fällt besser nicht unkontrolliert ins kristallklare Wasser, denn die scharfen Vulkansteine und Korallen warten direkt unter der Wasseroberfläche. Aber auch hier hatte ich eine wunderbare Begegnung mit einer Honu. Als ich eine Welle anpaddelte, sah ich plötzlich einen Stein neben mir aus dem Wasser ragen. Mein erster Gedanke war "Shi...! Sind die Steine wirklich so nah?" Dann plötzlich reckte der "Stein" seinen Kopf in die Höhe und voilà, ich surfte die Welle zusammen mit der Honu.

Suchbild: Welcher Stein lebt?
Und der "Stein" mit Kopf

Tag 3: Am Banyan Beach geht man als Newcomer besser nicht in die Wellen, denn wenn man die Steinformationen nicht auswendig kennt, liegt man schnell auf eben so einem Stein. Dafür wurden wir spontan von den Banyan Boys (den Jungs, die täglich an diesem Strand rumhängen) zu einem Fisch-BBQ eingeladen. Dabei lernten wir auch diverse hawaiianische Wörter wie z.B.: Okele maluna (Prost), Ono ono (megafeines Essen) oder Humu Humu Nuku Nuku Apua'a (der offizielle Fisch des Bundesstaates Hawaii).

Tag 4 und 5: Surfen, surfen, surfen! Wir haben endlich den perfekten Beach gefunden und auch den perfekten Campingplatz am Ke'ei Point. Ich kann nur sagen, Abendessen bei Sonnenuntergang auf der schönsten Terrasse der Welt!


To be continued....

Mittwoch, 11. April 2012

Surfing Waikiki Beach

Wir sind da - Waikiki Beach, die Wiege des modernen Surfens. Dort wo einst Duke Kahanamoku über die Wellen gleitete, bevor er aufbrach und der Welt beibrachte, wie viel Spass dies macht.


Zugegeben heute sieht das Ganze etwas weniger romantisch aus als zu Beginn des 20sten Jahrhunderts. Eher wie ein gigantisches Disneyworld am Wasser mit Hotelbunkern und Ressortlandschaften. 


Nichtsdestotrotz war es ein spezieller Moment am Morgen um 6h30 (bevor der Strand von den Touristenschwärmen eingenommen wird) zusammen mit ein paar netten ältere Herren auf Longboards am Waikiki Beach gemütlich einige Welle zu nehmen - natürlich Stilecht auch auf Longboards. Es war sogar ziemlich magisch!

Das war aber auch das einzige Magische an Honolulu und auch sonst hat uns die Insel O'ahu nicht vom Hocker gerissen. Daher waren wir froh, als wir gestern unser Flugzeug nach Big Island nehmen konnten. Hier ist die Atmosphäre schon eine ganz andere und bereits nach einem Tag - welcher eigentlich nur aus Camper in Empfang nehmen, Camper einrichten, Einkaufen und Platz zum Schlafen finden bestand - fühlen wir uns hier sehr viel wohler als in Honolulu.

Wir freuen uns nun also auf die hawaianischen Abenteuer!

Montag, 9. April 2012

Zwei Welten

Obwohl Oaxaca eine wunderschöne Stadt ist, wollten wir auch etwas vom ländlichen Oaxaca (ja, auch der Bundesstaat heisst so) sehen. Daher entschieden wir uns, die letzten beiden Tage in den Bergen der Sierra Norte zu verbringen. Es gibt dort ein von den Bergdörfern gemeinsam organisiertes Ökotourismusprojekt Expediciones Sierra Norte. Dieses Projekt ermöglicht es, mit einem lokalen Guide in der Sierra herumzuwandern und dabei direkt die Bergdörfer zu unterstützen (Schaffen von Arbeitsplätzen, Einkommen und Zukunftsperspektiven).

Das einzige Problem ist, diese Bergdörfer sind WIRKLICH am Arsch der Welt und es ist nicht ganz trivial, dorthin zu kommen. Vor allem am Osterweekend, wenn der einzige Bus der hinfährt ungefähr 4-fach überladen ist mit Frauen, Männern, Kinder, Grossvätern, schwangeren Frauen und unendlich viel Gepäck (vom Spiegelschrank bis zum Fernseher war alles dabei). Nach kurzer Überlegung und einem Pow-How mit dem französischen Pärchen, dass hinter uns in der Schlange stand, entschieden wir uns, zu viert ein Taxi in die Berge zu nehmen.
Ohne in die Details gehen zu wollen; es war eine 2-stündige, mehr als abenteuerliche Fahrt über eine sich an die Bergflanke quetschende Schotterstrasse und wir waren froh, als wir ohne bleibende Schäden am Ziel Llano Grande ankamen.


Die Wanderungen und auch die Übernachtung im Bergdorf Amatlan hingegen waren wundervoll. Die Cabanas waren toll ausgestattet, das Essen yummy und als Kirsche auf dem Ganzen wurde uns ein Feuer im Cheminée entfacht, als wir uns zur Nachtruhe in unsere Cabana begaben. Zudem lernten wir zwei supernette Leute kennen, die für das Projekt arbeiten. Victor, der die Guides ausbildet und Yadira, die Fotos für die Broschüren macht. Es war ein sehr interessanter, lustiger und Mezcal-durchtränkter Abend und am Ende wurden Yves und ich offiziell als Mexikaner adoptiert mit den entsprechenden mexikanischen Namen: Pancho und Nicolasa


Freitagnachmittag und Samstag standen im Zeichen einer Reise der Gegensätze. Von Amatlan, einem 300-Seelen Dorf in der mexikanischen Sierra Norte, reisten wir zuerst mit einem Pickup nach Ixtlan, die Hauptstadt der Region. Von dort ging es mit einem Taxi weiter bis an den Stadtrand von Oaxaca und einem anderen Taxi bis ins Stadtzentrum. Nach einer kleinen Pause mit Dusche und Rucksack packen, ging es weiter im Nachtbus in die 26 Mio. Megalopolis Mexico City und von dort mit dem Taxi an den Flughafen. Danach ein erster Flug nach Los Angeles und nach 5 Stunden Stop-Over ein zweiter Flug nach Honolulu. Ich muss wohl nicht speziell erwähnen, dass wir froh waren, als uns der Flughafen Shuttel in unserem Hostel in Waikiki absetze und nur noch drei Treppen zwischen uns und dem Bett standen.

Gute Nacht!

Liebe geht durch den Magen...

Wenn das Sprichwort "Liebe geht durch den Magen" auch nur ein Körnchen Wahrheit beinhaltet, können wir ohne zu zögern sagen, dass wir total in Mexiko verschossen sind.

Tortillas, Tacos dorados, Tamales, Salsas, Enchiladas, Chile Renellos, Huevos Rancheros, Tosdadas, Moles, Tlayudas, Guacamole, Totopos, Quesadillas, Tortas, Frijoles... und die Liste könnte noch beliebig weitergeführt werden. Alles Gaumenschmäuse aus der mexikanischen Küche, die weit über die bei uns allseits bekannten Fajitas hinausgehen.
Je länger unser Mexikoaufenthalt dauert umso mutiger werden wir zudem mit dem Essen. Unterdessen kaufen wir auch Sachen direkt am Strassenrand oder auf dem Markt zubereitet und lassen uns auf die lokalen Spezialitäten ein, wie z.B. getrocknete Made (Dschungelcamp lässt grüssen).


In Oaxaca, welche sicher zu den kulinarisch aufregendsten Städten Mexikos gehört, haben wir dann auch einen kleinen Kochkurs besucht. Dies in der Hoffnung, dass wir nicht nur leckere Erinnerungen mit nach Hause nehmen können, sondern diese im besten Fall dann auch nachkochen werden. Nachdem wir zusammen mit unserem Küchenchef Andres den kleinen Quartiermarkt geplündert und die leckeren Zutaten nach Hause geschleppt hatten, ging es los. Auf dem Plan standen "Sopa Azteca", eine Chili-Tomatensuppe mit Tortilla-Crisps, Avocado und Frischkäse, gefolgt von "Pie de Tortilla", eine Art Tortilla-Lasagne mit viel frischem Gemüse und Käse überbacken, und das Ganze abgerundet mit verschiedenen eigens zubereiteten Salsas.

Ich möchte dazu gar nicht mehr viel schreiben, sondern einfach die Bilder wirken lassen:

Am Anfang stehen gute Zutaten frisch vom Markt

Sopa Azteca

Pie de Tortilla

Maestro Andres und die Schweizer

Samstag, 7. April 2012

Steine mit Geschichte

Einer der vielen kulturellen Reichtümer in Mexico sind die Zeugen der alten mesoamerikanischen Hochkulturen. Die Teotihuacan, die Azteken (oder mit korrektem Namen die Mexicas), die Mixteken, die Zapoteken und nicht zuletzt die Maya.

Letzteren haben wir die unglaublichen Bauwerke zu verdanken, die wir uns auf unserer Exkursion in den Dschungel des Chiapas anschauen durften; die Stadt Palenque, die zu der Zeit der Mayas Lakamha (grosses Wasser) hiess.


Es waren nicht sosehr die grossen Bauwerke, die uns beeindruckten, sondern die unglaublich fortgeschrittene Ausführung in den Details. So hatten die Maya-Könige fliessendes Wasser im Palast inklusive Kanalisationssystem und Abwasserreinigung (das dreckige Wasser wurde durch eine im Palast eingebaute mit Kalkpulver gefüllte Kammer geleitet und so gereinigt). Das führte dazu, dass der Palast sowohl Saunen, wie auch dezidierte Männer- und Frauentoiletten besass.

Das Maya-Pissoir für die Herren der Schöpfung.
Ein ganz anderes aber nicht minder beeindruckendes Bauwerk sind die Ruinen der Zapoteken-Hauptstadt Monte Alban in der Nähe von Oaxaca. Die Gebäude sind weniger filigran aber wenn man die Gebäudekomplexe, die sich um einen grossen zentralen Platz anordnen, zum ersten Mal sieht, ist der Gesamteindruck einfach atemberaubend!
Man fühlt förmlich die Präsenz der Bewohner, die diese Bauwerke vor über 2000 Jahren bewohnten und man kann sich nur zu gut vorstellen, wie die Leute auf der Grand Plaza ihren Beschäftigungen nachgingen.


Insgesamt kann man also sagen, dass in Mexiko sogar die Steine einen Hauch von Magie besitzen.

Mittwoch, 4. April 2012

Biking im Chiapas

Wir hatten mal wieder Lust auf etwas körperliche Betätigung, was uns zu dem wohl einzigen Bikeverleih in San Christobal de las Casas führte. Der Name "Los Pinguinos" hörte sich zwar nicht gerade vielversprechend an, aber der Inhaber und Guide Joel konnte uns innert kürzester Zeit vom Gegenteil überzeugen. Seine Kompetenz und Passion war vom ersten Moment an spürbar und ehe wir "MountainbiketourimChiapas" sagen konnten, hatten wir eben so eine gebucht.

Am nächsten Tag um Punkt 7h ging es dann auch schon los mit dem Ziel Chenalo, einem kleinen, authentischen Tzotzil Dorf rund 30km nördlich von San Christobal. Zunächst kämpften wir uns durch dichte Nebelbänke in einem Grau, dass uns stark an den Zürcher Hochnebel erinnerte und auch der erste Aufstieg liess nicht lange auf sich warten. Oben angekommen wurden wir aber mit Sonnenschein und einer wunderbaren Aussicht auf das Nebelmeer über San Christobal belohnt.


Nach einer ziemlich langen Abfahrt auf einer Schotter-Stein-Matsch-Strasse, welche gratis auch ein intensives Bizeps- und Trizeps-Training beinhaltete, kamen wir in Chenalo an. Eigentlich wollten wir ja das Dorf besichtigen, aber es war eher so, dass die Einheimischen uns besichtigt haben! Wir waren weit und breit die einzigen "Bleichgesichter" und definitiv die Hauptattraktion an diesem Markttag (vor allem bei Yves mit seinen blauen Augen wurden die Standbesitzerinnen ganz nervös). Zudem kamen wir uns wirklich wie Riesen vor, denn die Leute - Männlein wie Weiblein - waren im Schnitt sicher nicht grösser als 1m65.
Das authentischen Mittagessen in einem Comedor, wo man sich das Huhn, das man später in der Suppe hatte, praktisch selber einfangen konnte, war dann auch ein Highlight und dank Joel und seiner Freundin (eine Schweizerin Namens Karin) zudem äusserst amüsant.

Finde den Mexikaner unter den Schweizern (kleiner Tipp: er trägt eine Tortilla)

Die Rückfahrt von Chenalo erwies sich dann als Pièce de Résistance. Zunächst mit einem nicht endend wollenden Aufstieg und dann als Zückerchen kleine Abfahrten, die immer in einer netten Gegensteigung endeten. Auf Spanisch nennt man diese Auf und Abs in weiser Voraussicht "Rompe-Piernas" - die Beinbrecher - und wir können nun bezeugen, wie treffend dieser Name ist (v.A. in 2'500m Höhe). Daher müssen wir auch zugeben, dass wir fast ein bisschen froh waren, als es plötzlich anfing, wie aus Kübeln zu regnen und zu hageln und wir deshalb mit einem kurzerhand rekrutierten Lieferwagen eines Bauern (inkl. dem Bauern, der den Wagen fuhr) die letzten 10km nach San Christobal zurückchauffiert wurden.

Der wunderbare Tag wurde uns dann noch durch die wahnsinnig nette Gastfreundschaft von Joel und Karin versüsst, die uns spontan zum Znacht bei ihnen zu Hause einluden. 
Alles in allem als ein perfekter Tag mit den Pinguinos :).

Montag, 2. April 2012

Die Welt der Indios

Eine 12-stündige Busfahrt brachte uns von der Beach Town Puerto Escondido ins Landesinnere in das malerische Kolonialstädtchen San Christobal de las Casas. Unser erster Eindruck als wir ausstiegen; ein Temperaturschock.
Nach 2,5 Wochen 30 Grad und mehr wehten uns die morgendlich kühlen 5 Grad des in 2'200 Höhenmetern gelegenen San Christobal entgegen. Da machte der "Platzfresser" Faserpelz in unseren Rucksäcken plötzlich unheimlich viel Sinn.

San Christobal hat alles, was man sich von einem lateinamerikanischen Bergstädtchen wünschen kann; farbig gestrichene, einstöckige Gebäude, noch farbenprächtigere Kirchen, enge Pflastersteinstrassen und ein vor Leben nur so übersprühender Markt.


Wo man steht und geht, trifft man auch auf in traditionelle Trachten gekleidete Indios, die täglich aus den umliegenden Bergregionen in die Stadt kommen, um ihre Ware zu verkaufen. Diese Indios stammen von den Mayas ab und es gibt im Bundesstaat Chiapas acht Hauptgruppen, welche sich vor allem über ihre verschiedenen Sprachen voneinander abgrenzen (in Mexiko werden übrigens insgesamt 62 verschiedene Sprachen gesprochen). Die in der Region San Christobal vorherrschende Gruppe sind die Tzotziles und ihre Muttersprache ist das Tzotzil. Tzotzil hat mit Spanisch etwa soviel zu tun, wie Deutsch mit Norwegisch und es gibt viele Indios, die nur gebrochen Spanisch sprechen - soviel also zum Thema "Spanisch lernen in Mexiko, damit wir mit den Leuten kommunizieren können".

Die Tzotziles praktizieren neben ihrer eigenen Sprache auch ihre eigene Medizin, basierend auf den uralten Heilmethoden der Mayas. Die Prinzipien dieser Heilmethoden werden im Museum der Mayamedizin in San Christobal erklärt, welches wir natürlich - schon nur aus Yves' beruflichem Interesse - besichtigen mussten. Neben verschiedenen Erklärungen der indigenen Heilriten (welche ein spannender Mix aus alten Maya-Ritualen und katholischen Einflüssen sind) und einem Kräutergarten, fanden wir dort auch das bislang ausgefallenste Exemplar unserer Reihe "Die Apotheken der Welt":

Die Maya-Apotheke

Könnte das Yves' neue Arbeitskleidung werden?